Chronik

1464 / 1465
Nach einem verheerenden Brand, der grosse Teile der Stadt zerstört hatte, erhielten die Churer Bürger von Kaiser Friedrich III. neben der Bestätigung der verbrannten Privilegien neu das Recht, Zünfte einzuführen. Die damit möglich gewordene neue Stadtverfassung beruhte im Wesentlichen auf folgenden fünf Zünften:
 
Rebleutezunft
dazu gehörten vor allem Grundbesitzer
 
Schuhmacherzunft
dazu gehörten die Gerber, Metzger und Schuhmacher
 
Schneiderzunft
dazu gehörten die Wattleute (Tuchleute), die Tuchscherer, die Kürschner, die Krämer, die Weber, die Seiler, die Hutmacher und die Schneider
 
Schmiedezunft
dazu gehörten die Steinmetze, die Maurer, die Zimmerleute, die Maler, die Glaser, die Sattler, die Wagner, die Schädler (Küfer), die Rädermacher, die Goldschmiede und die Schmiede
 
Pfisterzunft
dazu gehörten die Müller, die Meitzler (Kleinhändler), die Kornverkäufer, die Wirte, die Fischer, die Barbiere, die Bader und die Pfister (Bäcker).
 
Nur Stadtbürger konnten Zunftmitglieder werden, Nichtbürger, Leibeigene und unehelich Geborene waren ausgeschlossen (sowie auch alle Frauen). Eine Zunftordnung regelte bis ins kleinste Detail Organisation und Tätigkeiten. Es existierten Vorschriften über Arbeitszeit, Lehrlings- und Gesellenzahl pro Betrieb, Aufnahme von neuen Meistern und Warenqualität. Aber auch die Landwirtschaft, die in Chur bis weit in die Neuzeit eine wichtige Rolle spielte, wurde von der Zunftordnung erfasst. So hatten die Zünfte beispielsweise die verschiedenen Hirten für das in der Stadt gehaltene Vieh zu stellen. Durch die neue Zunft- verfassung ging die politische Macht vom Bischof an die Handwerksverbände über; eine politische Karriere in Chur war nur als Zunftmitglied möglich. Deshalb liessen sich auch Adelige und Patrizier in eine Zunft aufnehmen, vorwiegend als Grundbesitzer in die Rebleutezunft.

1799 - 1803
Mit dem Anschluss der Drei Bünde an Helvetien drohte den Zünften die Auflösung, denn gemäss helvetischer Gesetzgebung waren alle Gewerbe frei und der bisherige Zunftzwang aufgehoben. Allerdings betrieb allein die Rebleutezunft, der keine Handwerker angehörten, ihre Liquidation zielstrebig, die übrigen Zünfte folgten nur widerwillig.

1803 - 1840
Die Mediationsakte ermöglichte auch der Stadt Chur, die alte Organisations- und Verwaltungsform wieder aufleben zu lassen. Die Liquidation der Zünfte wurde gegenstandslos, sie übernahmen wieder ihre früheren Funktionen, soweit diese nicht gegen die Verfassung und die kantonale Gesetzgebung verstiessen. Obwohl die Zünfte den Untergang des Ancien Régime überstanden hatten und wieder neu auflebten, erwies sich die Zunftordnung doch zunehmend als Hemmschuh. Eine nur für relativ wenige geltende politische Mitsprache und die fehlende Gewerbefreiheit stiessen immer mehr auf Kritik der Benachteiligten. 1840 wurde deshalb die Zunftordnung aufgehoben und eine neue, liberalere Stadtverfassung eingeführt.  

1980
Neugründung der Zunft zur Rebleuten zu Chur
 
2000
Neugründung der Zunft zur Schneidern zu Chur
 

(Quelle: www.chur.ch, Churer Stadtgeschichte)


Entwicklungsgeschichte der Churer Zünfte